Geisenheim
Im Winter sind die Zeilen Draht und kurzes Holz. Geschnitten wird, bevor der Saft steigt, an den Tagen, an denen der Boden noch trägt. Die Lehranstalt zählt die Augen am Stock. Wir zählen sie auch, an der einen Zeile am Ortsrand, und schreiben die Zahl an den Pfahl, nicht in ein Heft, das im Haus liegt.
Die Blüte fällt in den Juni, wenn der Rhein schon warm aussieht und der Hang noch kühl ist. Eine nasse Woche in dieser Zeit sieht man im Herbst an den Trauben, die locker geblieben sind. Eine trockene Woche sieht man daran, dass die Beeren sitzen wie eine geschlossene Hand.
Gelesen wird, wenn die Säure noch da ist und der Zucker nicht mehr wartet. Ein festes Datum gibt es nicht. Die Butten stehen dann in den Straßen am unteren Ort, und der Most kommt noch am selben Tag unter Dach. Was am Draht bleibt, bleibt für die Vögel. Eine zweite Lese dieser Zeile machen wir nicht.