Geisenheim
Der Rheingau ist Rieslingland, und Geisenheim macht da keine Ausnahme. Was den Ort von einem gewöhnlichen Dorf am Hang unterscheidet, ist die Dichte der Leute, die den Stock nicht nur lesen, sondern vermessen: Zucker, Säure, das Datum, an dem die Beere weich wird. Die Lehranstalt steht im Ort, die Zeilen stehen davor.
Eine Zeile am unteren Rand halten wir als Anschauung, nicht als Große Lage mit eigenem Etikett. Dort stehen Stöcke unterschiedlichen Alters nebeneinander, damit man den Unterschied im Holz sieht, nicht nur im Glas. Wer eine Flasche aus dieser Zeile sucht, sucht vergebens. Der Wein daraus wird verkostet und dann dem Jahrgang daneben zugeschlagen oder ausgeschenkt.
Im Glas ist der Riesling von hier schmal, wenn das Jahr kühl war, und breiter, wenn der September lange hält. Wir schreiben das auf ein Blatt, nicht auf eine Medaille. Eine Prämierung dieser Zeile gibt es nicht, und ein Preisschild an der Rebe auch nicht.